VDA- Bundeskongress
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Das war der VDA- Bundeskongress 2017 in Dachau

Liebe Vereinsfreunde,
ich möchte euch vom VDA-Bundeskongress 2017 berichten, der vom 21. bis 23. April in Dachau stattgefunden hat. 


Das Leitthema in diesem Jahr lautete „Nachhaltigkeit“
In diesem Jahr waren die Aquarienfreunde Dachau / Karlsfeld VDA-Bezirk 12 Ausrichter des Kongresses.
Die Bahnfahrt war nicht nur aufgrund der super Planung von Siegrid und Thomas ausgesprochen entspannt, die Stimmung war gut und wir haben uns prima unterhalten. Von Hamburg bis München haben wir eine neuen ICE erwischt! Mit Tempo 250 an den Staus vorbei, Super!

Kurz vor Munchen

Mit Tempo 200 kurz vor München

Von München bis Dachau waren es nur noch ein paar Minuten mit der Regionalbahn und schon waren wir im Hotel. 
Hier waren schon viele Kongressbesucher angekommen.Unser VDA-Präsidium war komplett in unserem Hotel mit untergebracht. Eine schöne Gelegenheit die Personen "Life" zu erleben und nicht nur als Foto in der Verbandszeitung zu sehen. Nachdem wir unsere Koffer im Zimmer untergebracht und wir uns häuslich eingerichtet haben, war die erste Stärkung angebracht. Auf geht's gemeinsam in den "Fischer"!

Im Fischer2Während unser Präsidium sich um die Belange des Verbandes kümmerte und sich die Köpfe heiß redeten, hat ein Teil von uns an der Stadtführung durch die Altstadt von Dachau und die andere Gruppe eine Führung durch die KZ-Gedenkstätte Dachau teilgenommen. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, am Vormittag schon einmal einen Blick in die Aquarienausstellung des VDA-Bezirks 12 zu riskieren.

Hier konnten wir einige sehr schön eingerichtete Becken betrachten.Ausstellung

Ob Budda oder die gezeigten Budda2Plastikkühe sich im Aquarium wohlfühlen!?

Der VDA-Arbeitskreis Wasserpflanzen feierte hier sein 20-jähriges Bestehen und präsentierte einige echte Raritäten wie zum Beispiel ein WWolffia arrhizza2asserlinsengewäIm Weckglaschs der Gattung Wolffia. Die Art der Präsentation bot Anregungen Aquarienpflanzen mal so ganz anders als im klassischen Aquarium zu pflegen. Der Arbeitskreis Wirbellose in Binnengewässern (AKWB) war mit ganz reizvollen Garnelen ebenso dabei.

Arbeitskreis Wirbellose

Die Arbeitsgruppe Labyrinthfische hat schöne und sehr interessante Tiere präsentiert. Die Becken waren zentral angeordnet und mit guter Dokumentation zum Lebensraum versehen. Das macht Lust sich selbst einmal eingehender mit diesen Fischen zu beschäftigen.

Die Bedrohung der Lebensräume dieser Tiere durch die Umweltzerstörung beim Plantagenanbau zur Gewinnung von Palmöl sollte später noch im Vortrag NAT von Dr. Stefan Hetz deutlich werden.

Die Malawifreunde hatten nur ein Becken im Eingangsbereich und kuckten ansonsten erst einmal in die Röhre.Malawibecken Am Abend war Aquarianertreff. Der komplette Saal war gefüllt und es mussten sogar noch Tische zugestellt werden. Die Veranstaltung hat ein wenig unter der schlechten, weil sehr lauten Akustik gelitten. Ansonsten konnte man sich mit alten Bekannten und Gleichgesinnten so richtig schön ausquatschen.

Am Samstag wurde es nun „ernst“. Offizielle Eröffnung des Bundeskongresses mit Grußwort von Josef Lochner den Bezirks- vorsitzenden des Bezirks 12 und unserem Präsidenten Jens Crueger.

Josef Lochner
Jens CruegerEs wurden einige Ehrungen vorgenommen und bei dieser Gelegenheit wurde Josef Lochner zum Ehrenmitglied in seinem Verein - die Aquarienfreunde Dachau/ Karlsfeld - ernannt.

Dann fing auch schon der erste Vortrag an.
Echinodorus-Sorten im Garten. Hier hatte Jens Helemann aus Falkenberg/Elster über seine Erfahrungen mit diesen Pflanzen berichtet.Echinodorus im Garten
Zunächst war ich hell auf begeistert und wild entschlossen „Das mache ich auch in meinem Garten!“, aber zum Ende des Vortrags kamen mir denn doch so leichte Zweifel. Was passiert, wenn diese Sorten invasiv in unserer Natur Fuß fassen und einheimische Arten verdrängen? In einem späteren Referat von Dr. Stefan Hetz zum Thema Natur-, Arten- und Tierschutz (-NAT-) wurde dieser Punkt in der Tat kritisch angemerkt und in einen Vortrag von Dipl. Ing. Ottmar Frimmel auch thematisiert.

Dr. Helmut Wedikind hatte nach einer kurzen Pause das Wort. 
„Hinweise zur nachhaltigen Zierfischhaltung und -zucht“ war sein Thema. 
Bemerkenswert waren die Bilder über die anfallenden Kotmengen bei der entsprechen Trockenfuttergabe. Trockenfutter und Kot
Dieses alles in ein Verhältnis gesetzt mit der notwendigen Filterleistung, sowie dem Einsatz des optimalen Filtermediums und der Pflanzenpflege (Entnahme der Biomasse) in Verbindung mit einer „vernünftigen“ mäßigen Fütterung plus ausreichend Sauerstoff. 
Ergebnis: bessere Wasserwerte bei geringeren Wasserwechselmengen, aktive und gesunde Fische! 
Ich werde zu diesem komplexen Thema sicher noch einmal mehr nachlesen und darüber nachdenken. 
Nach einem effektiveren, modernen Filtermedium so wie es vorgestellt wurde, werde ich außerdem auch Ausschau halten.
ZusammenfassungAlles in allen ein schöner Vortrag zu einer Thematik über die ein informierter Aquarianer der Praxis Bescheid weiß oder wissen sollte. Dieses aber so gebündelt und im Zusammenhang (Praxis + wissenschaftliche Grundlagen) dargestellt zu bekommen, ist schon etwas Besonderes.

Dann wurde die Arbeit für die Kaufbeurer Jugendgruppe vorgestellt, ein Thema das mir in unserem Verein schon sehr am Herzen liegt. Jugendarbeit
Tolle Aktionen von A wie Artemiazucht, Aquarienbau bis z wie Zoobesuch, Zeltabenteuer und das ganze gewürzt mit Ausflügen, Grillspaß, Schnuppertauchen usw. Die Bemühungen in diesem Verein tragen wohl Früchte, die Zahl der Mitglieder steigt an.

Um 14Uhr ging es nach einer kurzen Mittagspause weiter. 
Die Pausen, waren nebenbei bemerkt, eine gute Gelegenheit sich mit anderen Teilnehmern auszutauschen. So habe ich z.B. die Administratorin der VDA-Online Seite Elke Weiand persönlich sprechen können und auf dem Weg ein kleines Problem lösen können. 
Auch dafür ist so ein Kongress gut! 
Nebenbei bemerkt: Registriert euch auf der VDA-Online Seite!

Der Hamburger Hans-Georg Evers hat einen Vortrag über die Panzerwelse (vorzugsweise Corydoras Arten) im Einzug des Rio Madre de Dios im südlichen Peru gehalten.
Hans-Georg Evers hat anhand von recht drastischen Bildern die Zerstörung der Lebensräume ganzer, teils endemischer Populationen, gezeigt. 
Hans Georg EversNichts da von wegen „Die Aquarianer fischen den Urwald leer!“. Goldsucherrei, die ganzen Landstriche zerstört und mit Quecksilber vergiftet, Holzraubbau mit anschließender Erosion der Böden, das ist die Pest die dafür die Verantwortung trägt. 
Einen starken Eindruck bei mir hat auch der Bericht von ihm über die Papaya hinterlassen. Die Früchte waren dermaßen stark mit Quecksilber verseucht, so dass sie nicht mehr verkäuflich waren. Die wurden nicht mal mehr geerntet. Wie die Fische den hohen Quecksilbergehalt überleben, konnte sich Hans-Georg auch nicht erklären. Die Einblicke in die Welt seiner „schön hässlichen Lieblinge“ waren auch für mich als nicht Welsfan lehrreich und sehr interessant.
Meiner Meinung nach ein Vortrag, den einige dieser selbst ernannten Naturschützer die uns unser Hobby madig machen wollen zur Erhellung gerne genießen dürfen. Der Vortrag lässt sich für registrierte VDA-Mitglieder hier prima nachschauen.
 
NAT - unser Hobby im Focus von Natur-, Arten- und Tierschutzthemen.
Was soll ich sagen, die beiden Referenten Dipl. Ing. Ottmar Frimmel und im Anschluss Dr. Stefan Hetz haben diesen wichtigen und komplexen Themenbereich interessant und gut verständlich an die wieder hellwachen Kongressbesucher gebracht.NAT 
Dr. Stefan Hetz war übrigens einmal der Präsident des VDA. Beide arbeiten im VDA-Referat NAT.
Auf den Seiten von VDA-online 
sind die Vorträge von Dipl. Ing. Ottmar Frimmel und Dr. Stefan Hetz nachzuschauen.

Den Tagesabschluss bildete der „Bayerische Abend“ der im komplett ausgebuchten Festsaal vom Ludwig-Thoma-Haus stattfand. Neben zünftiger Blas- und Schlagermusik, gab es Schuhplattler und gut was zu Essen. 
Nebenbei konnte man sich –zeitweise jedenfalls- mit seinem Tischnachbarn ein wenig über die Aquaristik unterhalten.
Eine Tombola, die bis spät in den Abend ging, hat ein wenig Spannung gebracht.
Den Hauptpreis, ein großes Eheim Aquarium konnten wir nicht abräumen. Der Transport hätte sich mit dem ICE doch auch etwas schwierig gestaltet, nochmal Glück gehabt!

Der nächste Morgen ging es etwas verspätet um 10Uhr mit dem Bericht unseres VDA-Präsidenten Jens Crueger los.Ruckblick

„Was war los im VDA?“

Er berichtete über die mühselige Lobbyarbeit unseres Verbandes in Berlin und die Zusammenarbeit mit der DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V.) usw. und aktuell mit dem Bundesverband (BDG) der Kleingärtner. 
Die Kleingärtner haben wohl auch Probleme mit invasiven Pflanzenarten und, man höre und staune, der Haltung von Goldfischen im Gartenteich.
Hier betonte Jens noch einmal die Wichtigkeit und den Einfluss der Ergebnisse die aus dem VDA-Referat NAT kommen.
Sie helfen uns, mit fundierten Erkenntnissen gegen selbst ernannte Umweltschützer mit "Sendungsbewustsein" bestehen zu können. 
Er berichtete nebenbei noch davon, das PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) die Anerkennungsvoraussetzungen des Mitwirkungs- und Verbandsklagegesetzes nicht erfüllt.  
Für Interessierte hier mehr zu diesem Thema: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/keine-anerkennung-von-peta/
Politisch fühle ich mich als Aquarianer nach diesem Vortrag durch den VDA eigentlich ganz gut vertreten. Wer sonst außer einem starken Dachverband kann unsere Interessen in Berlin vertreten!?   
Vor dem Hintergrund der Referate zum Thema NAT und den aktuellen Ausführungen von unserem Präsidenten, werde ich den Eindruck nicht los, das für mich bald eine Schulung nach §2 ins Haus steht. 
Der VDA und das politische Berlin scheint das wohl zu favorisieren. Mal sehen was da noch so kommt.


Nach kurzer Pause ging es mit dem Vortrag von Dr. Vladko Bydzovsky weiter auf den ich mich schon sehr gefreut hatte.
Sein Thema: Die Nachzucht von Südamerikanischen Salmlern.Sudamerikanische SalmlerNach einem kurzen Ausflug zu den Herkunftsgebieten der Fische zeigte uns Dr. Vladko Bydzovsky wie in Tschechien gezüchtet wird. 
Die Mengen die hier herangezogen werden sind schon sehr erstaunlich. Die Wasserwerte die zur Vermehrung der Salmler notwendig sind, meist niedriger pH und geringer µS-Wert kommen dort fast so aus der Wasserleitung. Beneidenswert! Im Großen und Ganzen ein interessanter Vortrag der aber leider nach meinem Geschmack ein wenig unter der Sprachverständlichkeit gelitten hat. 
Dr. Vladko Bydzovsky hat in der Ausgabe 4-2014 der VDA-aktuell einen fast identischen und ausführlichen Aufsatz zu diesem Thema geschrieben.  

Der letzte Vortrag, vor jetzt schon so langsam ausgedünnten Publikum wurde von Robert Guggenbühl Robert Guggenbuhlzum Thema: 
„Energie sparen im Aquarium- der Beitrag der Fische / Erkenntnisse aus gut 20 Jahren Fangreisen.“. 
Hier zeigte uns der schweizer Referent Robert Guggenbühl anhand von vor Ort Messungen, die Teilweise über mehrere Jahre gingen, dass die Fische in ihren Heimatgewässern durchaus mit stark schwankenden Bedingungen klarkommen. Das müssen sie und brauchen das wohl auch für ihre Gesundheit. Messwerte ZonenDabei bezog er sich auf Temperatur, Wasserzusammensetzung und auch Strömung. Ein interessanter Ansatz nicht nur für uns „Normal-Aquarianer“, sondern sicher auch ein Beitrag zum Nachdenken für die Freunde der Naturaquaristik. 
Es müssen auch nicht immer die Exoten sein die die es wert sind gepflegt zu werden. Scheibenbarsch, Stichling und Co sind auch schöne interessante Tiere die ohne großen Energieaufwand gehalten werden können.  
Robert Guggenbühl’s Vortrag war sehr kurzweilig und sein Schweizer Humor hat den Vortrag noch einmal um eine Stufe angehoben. Herrlich, das macht Spaß!
Ein Schlusswort von unserem Präsidenten mit der offiziellen Bekanntgabe des nächsten Kongressortes (Bremerhaven) beendet diesen wirklich gelungenen Kongress.

Das Team

Das "ORGA" Team

Damit wäre der VDA-Bundeskongress beendet gewesen und wir hätten uns eigentlich auf die Heimreise machen können.
Stattdessen haben wir uns am Abend im Gasthaus Drei Rosen eingefunden und jeder von hat nach Lust und Laune das gegessen was ihm am besten schmeckt. Eine so große und leckere Portion Kaiserschmarren habe ich noch nie bekommen. 
Die Rückfahrt mit dem ICE nach Kiel am nächsten Morgen war entspannt. 
Die Bahn war pünktlich und schnell.
Die Fahrt selber war von den Kosten her unschlagbar Günstig. Pro Person 40,-€ hin und zurück! 
Von dieser Stelle noch einmal ein ganz dickes Danke an unsere Vereinsfreunde Siegrid und Thomas!
 Beim nächsten VDA-Bundeskongress der vom 27-29.04.2018 im Klimahaus Bremerhaven stattfindet, bin ich soweit ich das irgendwie einrichten kann wieder dabei.
Ich habe eine Menge interessanter Menschen getroffen die mindestens genau so „verrückt nach Fisch sind“ wie wir.  Solche Kongresse machen richtig Spaß und ich würde mich freuen, wenn von euch noch viel mehr mitkommen würden.  
Euer Vereinsfreund Rolf